Dieses Jahr soll mein knallbuntes Gemüsejahr werden.

Als ich vor gut 4 Jahren begann meinen Garten zu gestalten, hatte ich viele Ideen im Kopf. In Gartenforen las ich über Permakultur sowie die vielfältigen Ansätze der Gartengestaltung und träumte infolge den Traum vom Selbstversorgergarten. Dass mein neuer Garten noch wild und beinahe unberührt im Dornröschenschlaf lag, machte mich vollkommen frei in Planung und Gestaltung, was mir sehr gefiel. Soweit die Theorie. Die vorhandene Fläche (600 m²) brachte mich aber schnell auf den Boden der Realität. Wie sollte es mir gelingen auf solch kleinem Platzangebot meine Wünsche zu realisieren?

Die Natur macht es uns vor, und ein Aufenthalt in Berlin half mir auf die Sprünge.

Ein Beet, alles geht ...

Auf einer Verkehrsinsel mitten im Berliner Kiez stolperte ich, im wahrsten Sinne des Wortes, über ein Nachbarschaftsprojekt zur Kultivierung von ungenutzten Flächen in der Stadt. Hier wuchsen mitten auf der Straße kleine Gehölze und Stauden, Blumen, essbare Kräuter und Sommerblüher sowie Gemüse, alles gemeinsam in einem Beet und bunt gemischt. Eine Schautafel führte die Auswahl der Gewächse dieser Mischkultur auf, die sich laut Erklärung in harmonischer Nachbarschaft optimal ergänzen würden und gleichzeitig für die Natur und den Menschen nützlich wären.

Ein Beet, alles geht ...
Was ist Mischkultur?

Die Mischkultur im Gartenbeet polarisiert die Gärtnerwelt. Was für den einen das reinste Chaos ist, hält der andere für einen Nutzgarten mit System. Sie ist das Gegenteil der Monokultur und sieht innerhalb des Gartens nicht ein Beet mit vielen Reihen einer Gemüseart vor, sondern viele kleine und größere Beete, die Pflanzensorten unterschiedlichster Art mit gleichen Anforderungen an den gemeinsamen Standort vermischen. Solange diese Bedürfnisse der einzelnen Pflanzenpartner berücksichtigt bleiben, ist erlaubt, was gefällt. Auf diese Weise finden an einem Ort sowohl zeitlich als auch räumlich diejenigen Gewächse zusammen, die sich sowohl oberirdisch als auch unterirdisch optimal ergänzen ohne sich zu bedrängen.

Vorteile mit einer Auswahl an Praxisbeispielen:

  • optimale Nutzung des vorhandenen Platzangebotes ⇔ dichte Bepflanzung ist erwünscht ⇔ Kräuter entfalten ihre positive Wirkung meist optimal bei möglichst viel Nähe zu ihren Beetpartnern ⇔ durch Unterpflanzung (z.B. Stangenbohnen mit Kräutern) auch in die Höhe ⇔ speziell für kleine Gärten eine gute Möglichkeit nicht auf vielfältigen Gemüseanbau verzichten zu müssen
  • bessere BefruchtungBestäuberinsekten werden durch die Vielfalt im Beet angezogen
  • guter Ertrag ⇔ bei überlegter Auswahl der Pflanzennachbarn unter Beachtung der Fruchtfolge besteht geringere Nährstoffkonkurrenz (Starkzehrer und Schwachzehrer) bei unterschiedlicher Substanzabgabe der einzelnen Pflanzen an den Boden ⇔ Wechselspiel aus Geben und Nehmen ⇔ Zwiebeln und Möhren ⇔ Kopfsalat und Kresse ⇔ Radieschen und Mangold ⇔ Kohl und Erbsen
  • intensiver Geschmack ⇔ durch Wurzelausscheidungen ⇔ Bohnen und Bohnenkraut ⇔ Kartoffeln mit Kümmel oder Koriander
  • günstiges Mikroklima ⇔ durch möglichst ganzjährigen Bewuchs und gegenseitige Beschattung
  • weniger Krankheiten ⇔ durch Wurzelausscheidungen ⇔ Knoblauch oder Schnittlauch können Pilzsporen im Boden reduzieren ⇔ Knoblauch gegen Weiß- und Rotfleckenkrankheit sowie Grauschimmel an Erdbeeren ⇔ Schnittlauch gegen Rostpilzbefall an Rosen ⇔ Basilikum gegen Mehltau an Tomaten und Gurken
  • weniger Schädlinge ⇔ gezielte Nutzung der Duftstoffe von Kamille, Ringelblume, Tagetes oder Sonnenhut gegen Nematoden ⇔ von Tagetes gegen Fadenwürmer bei Rosengewächsen ⇔ von Petersilie gegen die Möhrenfliege bei Karotten ⇔ von Salbei und Lavendel gegen Blattläuse nicht nur bei Rosen
  • weniger Bodenverdunstung ⇔ durch gegenseitige Schattierung ⇔ hochwachsende Tomaten und niedrigwachsende Kohlrabi ⇔ Mais (Sonnenanbeter) und Kürbis (Schattenliebhaber)
  • weniger Bodenerosion ⇔ frei gewordener Platz im Beet wird durch nachwachsende Pflanzenpartner belegt ⇔ kann durch Nachsäen genutzt und unterstützt werden
  • essbare Bodendüngung ⇔ Feldsalat, Sonnenblumen, Kresse, Lupine, Senf, Spinat, …
  • bessere Bodenlockerung und -durchwurzelung ⇔ gleichzeitige Anpflanzung von Tief- und Flachwurzlern ⇔ Möhre (Tiefwurzler) und Salat (Flachwurzler)
  • individuelle Anwendungsmöglichkeiten ⇔ der eigenen Kreativität setzen nur die Bedürfnisse der Gewächse Grenzen ⇔ Balkonkasten, Gartenbeet, Hochbeet, Hügelbeet, Frühbeet, Gewächshaus, … ⇔ Kräuter, Gemüse, Wildkräuter, Sommerblumen, Stauden, Gehölze, … ⇔ einzelne Reihen mischen ⇔ Gruppen pflanzen ⇔ alles kunterbunt im Pippi-Langstrumpf-Style
  • Genuss mit allen Sinnen ⇔ in den Garten gehen ⇔ Salat und Kräuter ernten ⇔ den weißen Hibiskus betrachten ⇔ doch noch einige Lavendelblüten für die Salatsauce pflücken ⇔ sich über das Wachstum der Erdbeeren freuen ⇔ einen Neuankömmling im Hochbeet begrüßen ⇔ den Wind spüren ⇔ am Rosmarin schnuppern …

Ein Beet, alles geht ...

Herausforderungen an mich als Mischkultur-Newcomer:

  • notwendige Planung ⇔ ich lasse mich im Garten gerne von meiner eigenen Wahrnehmung leiten ⇔ doch wer mag schon Streit im Gartenbeet ⇔ sich mit Informationen zu versorgen, um harmonische Pflanzennachbarschaften festzulegen, ist an dieser Stelle notwendig ⇔ Mischkulturtabellen sind das Ergebnis zahlreicher Erfahrungswerte von vielen Biogärtnern und bei der Planung hilfreich ⇔ Aussaattermine nicht versäumen
  • ausprobieren ⇔ manches klappt ⇔ manches klappt nicht ⇔ mutig sein ⇔ neuer Versuch
  • klein anfangen ⇔ Jahr für Jahr einzelne Beete weiter differenzieren
  • gut funktioniert hat im ersten Jahr ⇔ Erdbeeren und Karotten mit Knoblauch und Bohnenkraut ⇔ Zucchini und Kopfsalat mit Dill ⇔ Pfefferminze mit Salat ⇔ Lavendel in allen Beeten mit Salbei gegen Schnecken
  • nicht gut funktioniert hat im ersten Jahr ⇔ Tomaten mit Fenchel ⇔ Zwiebel mit Radieschen ⇔ erst gar nicht gewachsen ⇔ dann verkümmert

So wie es aussieht, wird dieses Jahr mein knallbuntes Gemüsejahr werden. Ich freu mich.

Ein Beet, alles geht ...