Viele meiner Gartenkräuter sind mehrjährig und überwintern im Freien. So bekommen Rosmarin, Salbei, Pfefferminze, Thymian, Lavendel und Echter Eibisch nach der letzten Ernte und dem Rückschnitt im Herbst eine schützende Decke aus leichtem Heckenschnitt und Laub. Danach bin ich Rabenmutter und überlasse sie ihrem winterlichen Schicksal.

Zwiebeliges Schürzenkind
Mein Salbei wächst seit mehreren Jahren prächtig und gut beschützt von meinem Feigenbaum. Beide zeigen schon die ersten Farbtöne des Herbstes, in diesem Jahr extrem spät durch den langen Spätsommer. Sobald der Feigenbaum seine Blätter abgeworfen hat, bekommt der Salbei seinen Winterschutz.

Doch eines meiner Gartenkräuter wird jedes Jahr im Oktober erneut zum Nestkäkchen. Der zwiebelige Schnittlauch (Allium Schoenoprasum), auch Jakobszwiebel, Graslauch, Schnittling oder Binsenlauch aufgrund der Blattgestalt genannt, zieht vor den ersten Bodenfrösten zurück ins Haus und bezieht sein Quartier im kühlen, hellen Haushaltsraum. Die Zugehörigkeit zur Gattung Lauch, zu der auch Schalotten, Zwiebeln und Knoblauch gehören, ist unschwer sowohl am Aussehen ( 5 – 50 cm hoch wachsend und runde, röhrenförmige, grüne bis grau-grüne Blätter) als auch am Geschmack (feine zwiebelig-scharfe Note) zu erkennen. Die unterirdische Vermehrung durch sogenannte Tochterzwiebeln kann zur Ausbildung recht große Schnittlauchhorste im Kräuterbeet führen, weshalb ich die Kultivierung in Tontöpfen vorziehe. Diese verteile ich in meinen Staudenbeeten, wo die kugeligen, lilafarbenen Blütenstände von Mai bis in den September hinein als blühende Lückenfüller wunderschön aussehen.

Zwiebeliges Schürzenkind

Das weit über die Nordhalbkugel verbreitete Liliengewächs kommt auch wildwachsend vor und hat in langer Kräutertradition einen festen Platz in den Kräutergärten und in der Küchenkultur gefunden. Schnittlauch enthält große Mengen an Senfölen, ist reich an Vitamin A und C sowie Eisen und liefert wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente. Ihm werden bakterizide, appetitanregende und blutdrucksenkende Wirkung zugeschrieben, auch soll er verdauungsfördernde und schleimlösende Eigenschaften haben. Geerntet werden die frischen oberirdischen Röhrenblätter, die ich zu diesem Zweck mit einer Schere dicht über dem Boden abschneide. Wobei auch die dekorativen Blüten essbar sind. Ich mag den Schnittlauch ausschließlich frisch, da er meiner Meinung nach getrocknet oder tiefgefroren zu viel von seinem typischen Aroma verliert. Nach dem Ernteschnitt treibt er fast ganzjährig nach und bereichert so den eher kräuterarmen Winterspeiseplan.

Zwiebeliges Schürzenkind
… kurz vor dem Umzug ins Haus.

Als bekennende Salzliebhaberin ist der Schnittlauch für mich eine leckere Möglichkeit meinen eigenen Salzkonsum geschmackvoll zu reduzieren. Er schmeckt harmonisch in Kombination mit Salaten, Topfen (Quark), Kräuterbutter, Suppen, Eintöpfen oder Eierspeisen. Ich persönlich mag das zwiebelige Kraut aber am liebsten klein geschnitten und pur auf frisch gebackenem Brot. Schlicht und einfach!

Und jetzt werde ich mein Schürzenkind ins Haus holen, bevor die Nächte zu frostig werden. Manche werden eben nie erwachsen.

Zwiebeliges Schürzenkind
Herbst in Kärnten

Wer etwas ausgefallenere Schnittlauchkreationen sucht, dem empfehle ich einen Besuch bei: