Wie einige von euch wissen, ist mein Garten relativ klein, und der Grundriss entspricht der Form eines Rechtecks, wodurch dem Betrachter ein eher schmales Raumempfinden suggeriert wird. Tipps für die Gartengestaltung zur optischen Vergrößerung findet man zahlreich sowohl im Internet als auch in den gängigen Gartenzeitschriften, und einige Anregungen konnte ich für meinen Garten umsetzen. Ziel ist es jeweils, den Blick des Betrachters unbewusst so zu lenken, dass Interesse und Neugier auf das „Verborgene“ geweckt werden. Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Beitrag „Wild und Frei“ über Nisthilfen für Wildbienen aus Treibhölzern, die rein optisch den Eingang in unseren Bienenwald simulieren sollen. Durch die diagonale Anordnung der Hölzer möchte ich den Ausblick auf diesen Teil des Gartens quer, bzw. in die Tiefe lenken, um ihm an dieser Stelle das Gefühl der Enge zu nehmen und ihn optisch zu öffnen.

Spieglein, Spieglein, ...

Alle Rasenkanten habe ich in einer geschwungenen Linie gestaltet, um in den Beeten zusätzliche Tiefe zu erzeugen. Die an die Ränder der Rasenfläche gepflanzten mittelhohen Gräser ragen bewusst in diese hinein und verändern so die Gesamtproportionen.

Spieglein, Spieglein, ...

Spieglein, Spieglein, ...
Von diesem Sitzplatz aus hat man einen schönen Blick auf Haus, Feuerschale und Terrasse. Ein Perspektivwechsel von Zeit zu Zeit erfrischt ungemein.

Sitzplätze für alle Wetterlagen und Anlässe finden sich in den unterschiedlichsten Bereichen meines Gartens. Die Blickachse ist von jedem Platz aus eine andere, was den Garten in mehrere eigene Räume aufteilen soll. Unterstützend habe ich mit verschiedensten Materialien, z.B. Untergründen aus Stein, gearbeitet. Diese grenzen zusätzlich ab und betonen die jeweilige Nutzung und Atmosphäre.

Spieglein, Spieglein, ...

Unseren Naschgarten und die Insektenhäuser habe ich an der Längsseite mit einem Hochbeet abgetrennt. Das schafft eine optische Einheit in diesem Teil des Gartens zum Thema Genuss und vereint Spannung erzeugende Transparenz mit der Vorfreude auf leckere Köstlichkeiten.

Spieglein, Spieglein, ...

Und auch Pflanzen können Gartenräume inszenieren. So bilden meine mediterranen Schönheiten Feige, Kiwi, Clematis, Kräuter, Oleander und Wein eine geschlossene Gesellschaft, die jedes Jahr den Sommer nur mit geladenen Gästen feiert.

Spieglein, Spieglein, ...
Frühjahr vor 2 Jahren
Spieglein, Spieglein, ...
Sommer vor 2 Jahren

In den letzten Tagen habe ich mit Spiegeln als Gestaltungselement experimentiert. Die Spiegel werden jeweils in die Gartenbeete oder in die gewünschte Blickachse des Gartens integriert und sollen die Wahrnehmung des Betrachters herausfordern. Damit diese Variante auch wirklich vogelfreundlich ist, habe ich mich für kleine Spiegel in Bodennähe entschieden. Von großen Spiegeln rate ich persönlich dringend ab, da Vögel mit Sicherheit in diese Spiegelflächen hineinfliegen werden und sich verletzen. Der Effekt der eingebrachten Spiegel ist zugegebenermaßen vorhanden, …

Spieglein, Spieglein, ...

Spieglein, Spieglein, ...

… und vielleicht hat der eine oder andere von euch jetzt auch Lust bekommen ein wenig mit den Formen seines Gartengrundrisses und dessen Wahrnehmung zu experimentieren. Ich persönlich mag es für meinen Garten möglichst natürlich und habe die Spiegelvariante für mich verworfen. Ein wenig das Auge verwirrende Schummelei ist ja dennoch erlaubt.

Spieglein, Spieglein, ...