Ingwer und Avocado

Was treibt Frau gartenkuss, wenn es im Garten nicht wirklich vorangeht und der Frühling in Kärnten auf sich warten lässt? Fragt Ihr Euch außerdem, was im Dornröschengarten inzwischen so passiert ist?

Nun, leider wetter- und zeitbedingt sehr wenig. Wir arbeiten zumeist an der Sanierung unserer Küche, die aufwendiger geworden ist, als wir dachten. Soll halt hinterher auch alles passen. Um nicht völlig in den gärtnerischen Entzug abzugleiten, teste ich Pflanzversuche, die schon länger auf meiner Agenda „Bitte-einmal-ausprobieren!“ stehen. Für die experimentierfreudigen Leser unter Euch ist vielleicht wenig Neues dabei, wer mag, kann jedoch die aktuellen Entwicklungen in meiner #timeline2018 miterleben.

  • Ingwer

Unsere Familie ist ingwerverliebt, so dass die scharf-zitronige Superknolle stets vorrätig bei uns ist. Ob als aromatisiertes Ingwer-Zitronen-Wasser, als frische Zutat in Gemüsegerichten, Saucen und Suppen (Karotten-Ingwer-Suppe ist unser Favorit!) oder als Hausmittel bei Erkältungen in Form von Ingwertee – wir lieben Ingwer. In der Küche verwendet wird der unterirdisch liegende Wurzelstock, der rund 1,5 m hohen Staude, die äußerlich an Bambus oder Schilf erinnert. Die verdickten Rhizome wachsen und verzweigen sich „geweihartig“, haben eine hellbraune Schale und sind im Inneren weiß-gelblich bis leuchtend gelb. Im asiatischen Raum ist die Knolle sowohl aus der Küche als auch aus der Medizin als natürliches Heilmittel nicht wegzudenken, da sie voller ätherischer Öle, Vitamine und Mineralstoffe steckt.

Die Vermehrung soll im sonnigen Garten, auf der Terrasse und auch auf der Fensterbank ab dem zeitigen Frühjahr (März/April) gut gelingen.
  1. Von einer frisch-prallen Ingwerknolle ca. 5 – 7 cm abschneiden und das abgeschnittene Stück über Nacht in eine Schale mit lauwarmem Wasser legen. Ich habe eine Knolle aus biologischem Anbau verwendet, da konventionelle Ingwerknollen häufig gegen das Austreiben behandelt wurden. Auch sollten bereits kleine „Augen“, sogenannte Vegetationspunkte, zu erkennen sein.
  2. Einen Tontopf mit nährstoffreicher Anzuchterde, die mit Kokosfasern zwecks Durchlässigkeit vermischt wurde, zu 2/3 füllen.
  3. Am nächsten Tag das Ingwerstückchen mit der Schnittfläche nach unten auf die Erde setzen, ca. 2 – 3 cm leicht mit Erde bedecken und mäßig angießen.
  4. Den Topf mit einem Gefrierbeutel überziehen, um ein tropisches Klima zu simulieren, jedoch Acht geben, dass im Verlauf keine Staunässe zu Schimmelbildung führt.
  5. Nun den bepflanzten Tontopf die nächsten Wochen an einen hellen, warmen Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung stellen. Ich habe dafür unser Gästezimmer kurzerhand zum Versuchslabor erklärt.
  6. Die Erde soll feucht, aber auf keinen Fall nass gehalten werden. Dazu besprühe ich sie täglich mit einer Wasserflasche, auf die ich einen Sprühkopf montiert habe, der einen feinen Nebel erzeugt. Den Gefrierbeutel anschließend wieder überziehen. Die passenden Sprühaufsätze habe ich auf dem YouTube-Kanal von Stefans-Hobby-Garten entdeckt. Hier bin ich immer wieder gerne zu Gast, weil es Praktisches mit anschaulichen Erklärungen zu entdecken gibt.
  7. Jetzt heißt es einige Wochen warten, bis sich ein grüner Trieb zeigt. Danach wird der Ingwerzögling in einen größeren Topf umgepflanzt, der Gefrierbeutel ist ab jetzt nicht mehr nötig. Die wachsende Knolle braucht ab diesem Zeitpunkt einen sehr sonnigen, warmen Platz und weiterhin täglich mäßiges Gießwasser.
  8. Der Erntezeitpunkt ist gekommen, wenn sich nach ca. 9 Monaten die Blätter der inzwischen ca. 80 – 90 cm hohen Pflanze gelb färben. Hierzu wird die Ingwerknolle (auch im Garten) ausgegraben und für den Verzehr geteilt.
  9. Für die beginnende Ruhephase über den Winter ein für die Vermehrung ausgewähltes Ingwerstück fein säubern, in ein trockenes Tuch packen und in einem dunklen, gut belüfteten Kellerraum lagern. Eine Vorgehensweise, die mit der Überwinterung von Staudenknollen, wie z.B. Dahlien, vergleichbar ist.
  10. Eine andere Möglichkeit wäre es, die gesamte Ingwerpflanze in einem hellen, kühlen Raum über den Winter zu bringen. Nach dem Austreiben der Pflanze im zeitigen Frühjahr, kann die Knolle wieder geteilt und vermehrt werden – der Lebenszyklus beginnt von Neuem.
  • Avocado

Ob als Backzutat, Guacamole, Brotaufstrich oder Kosmetikingredienz, die grünlich-braunen Beeren (botanisch gesehen) aus der Familie der Lorbeergewächse erfreuen sich kometenhaft steigender Beliebtheit. Leider mit teilweise verheerenden Folgen für das Ökosystem, wie z.B. illegale Abholzungen in den Anbaugebieten sowie verseuchtem oder fehlendem Trinkwasser für die Bevölkerung. So werden für die Produktion von nur 2,5 Avocados ca. 1000 Liter Wasser benötigt. Die Avocado gilt als modernes „Superfood“ mit steigender Preisentwicklung aufgrund der hohen Nachfrage. Sie schmeckt samtig-nussig, ist reich an Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren, und man schreibt ihr heilende Wirkung bei Durchfall, Akne, Husten und Übergewicht zu. Der getrocknete Kern kann klein gehackt und in Smoothies oder Tees verarbeitet werden.

In den sog. Ölzellen der gesamten Pflanze kommt unter anderem das Toxin Persin vor, welches durch die Fruchtreife fortschreitend abgebaut wird, so dass es für den menschlichen Genuss als ungefährlich gilt. Die Konzentration an Persin ist in den Schalen der unreifen Früchte und in den Blättern der Pflanze am höchsten, weshalb Haustiere und kleine Kinder keinen Zugang zu ihr haben sollten. Geht im Hause gartenkuss gar nicht! Also werde ich unsere Pflanzen verschenken und mich lieber weiter nach heimischem „Superfood“ als Alternative umschauen.

Experimente gegen den Winterblues
Stand 21.01.2018: Der Avocadokern im Weinglas hat teilweise sein braunes Häutchen abgeworfen. Warum und mit welchen Folgen im Vergleich zu den beiden anderen Kernen, kann ich noch nicht abschätzen.
  1. Für die Anzucht im Wasserglas einen Avocadokern gut abwaschen und anschließend für einige Tage trocknen lassen.
  2. Den Kern an 2 – 3 Stellen in gleichem Abstand rund um die Kernmitte mit Zahnstochern etwas 5 Millimeter tief anpieksen.
  3. Den eiförmigen Avocadokern mit der Spitze nach oben auf ein nicht vollständig gefülltes Wasserglas setzen. Nur das untere Drittel des Kerns sollte dabei im Wasser hängen.
  4. Nach ca. 6 Wochen bilden sich lange, gerade Wurzeln unter der Wasserlinie, es öffnet sich die Spitze und ein schnell wachsender Keim kommt zum Vorschein.
  5. Wenn ein kräftiger Trieb aus der Spitze herausgewachsen ist und sich genügend Wurzeln gebildet haben, kann das Pflänzchen eingetopft werden.
  6. Hierzu die Zahnstocher entfernen und den Kern – nur das Wurzelende, der obere Teil bleibt  zu zwei Dritteln sichtbar – vorsichtig in feuchte, leicht lehmige Erde pflanzen.
  7. Die Erde in den nächsten Monaten stets feucht halten, am besten regelmäßig bis täglich ansprühen, da sie auf keinen Fall austrocknen darf.
  8. Die junge Tropenpflanze benötigt für ihr weiteres Gedeihen viel Wärme (22° bis 25° Grad), viel Licht und gleichzeitig eine hohe Luftfeuchtigkeit.
  9. Im Winter geht die Pflanze mit maximal 15° Grad Zimmertemperatur und weniger Gießwasser in ihre Ruhephase.
  10. Ein Avocadobaum in „Gefangenschaft“ wird nicht größer als 1,50 Meter. Jeweils im Frühjahr kann er umgetopft werden. Möchte man den geraden Trieb verzweigen, sollte dieser bei einer gut eingewurzelten Pflanze in ca. 30 cm Höhe gekappt werden, um den Austrieb von Seitenknospen zu fördern.
Experimente gegen den Winterblues
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